Windows 11/10: Arbeitsspeicher prüfen – so geht’s richtig

Erfahren Sie, wie Sie unter Windows 11 und 10 Ihren Arbeitsspeicher prüfen, Fehler erkennen und die Leistung Ihres PCs gezielt verbessern.

Windows 11/10: Arbeitsspeicher prüfen – so geht’s richtig

Ein instabiler PC, Abstürze oder plötzliche Fehlermeldungen können auf Probleme mit dem Arbeitsspeicher hindeuten. Windows 11 und Windows 10 bieten integrierte Werkzeuge, mit denen sich der RAM testen lässt, ohne zusätzliche Software zu installieren.

Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Speicherfehler erkennen, Tests korrekt durchführen und die Ergebnisse richtig interpretieren, um Systemprobleme gezielt zu beheben.

Warum der Arbeitsspeicher so wichtig ist

Der Arbeitsspeicher (RAM) ist das Kurzzeitgedächtnis Ihres Computers. Programme, geöffnete Dateien und Systemprozesse werden dort zwischengespeichert, damit der Prozessor schnell darauf zugreifen kann. Ist der Speicher fehlerhaft oder überlastet, kommt es zu:

  • Programmabstürzen
  • Systemhänger
  • Bluescreens
  • beschädigten Dateien
  • extrem langsamer Leistung trotz moderner Hardware

RAM-Probleme werden oft mit Softwarefehlern verwechselt. Deshalb lohnt sich ein gezielter Speichertest, bevor Sie Windows neu installieren oder teure Hardware ersetzen.

Typische Anzeichen für defekten RAM

Nicht jeder Absturz bedeutet automatisch einen Speicherfehler. Diese Symptome sind jedoch starke Hinweise:

Häufige Bluescreens

Wenn Fehlermeldungen wie MEMORY_MANAGEMENT oder IRQL_NOT_LESS_OR_EQUAL auftreten, kann der Arbeitsspeicher betroffen sein.

Programme schließen sich ohne Vorwarnung

Anwendungen beenden sich plötzlich oder reagieren nicht mehr, obwohl genug Leistung vorhanden ist.

Dateien werden beschädigt

Archive lassen sich nicht entpacken oder Installationen schlagen grundlos fehl.

PC startet neu oder friert ein

Unregelmäßige Abstürze ohne erkennbaren Auslöser sind typisch für RAM-Probleme.

Schnellcheck: RAM-Auslastung in Windows prüfen

Bevor Sie einen tiefgehenden Test starten, sollten Sie die aktuelle Speichernutzung kontrollieren.

Task-Manager öffnen

  1. Drücken Sie Strg + Umschalt + Esc
  2. Wechseln Sie zum Reiter Leistung
  3. Klicken Sie auf Arbeitsspeicher

Hier sehen Sie:

  • Gesamten installierten RAM
  • Aktuell verwendeten Speicher
  • Geschwindigkeit und Steckplätze
  • Formfaktor (DIMM/SO-DIMM)

Liegt die Auslastung dauerhaft bei über 90 %, ist der Speicher möglicherweise zu klein – aber nicht zwingend defekt.

Windows-Speicherdiagnose verwenden

Windows enthält ein integriertes Prüfwerkzeug von Microsoft, mit dem sich der Arbeitsspeicher auf Fehler untersuchen lässt.

Speicherdiagnose starten

  1. Drücken Sie Windows-Taste + R
  2. Geben Sie ein:
   mdsched.exe
  1. Bestätigen Sie mit Enter
  2. Wählen Sie Jetzt neu starten und nach Problemen suchen

Der PC startet neu und führt automatisch einen Speichertest durch.

Erweiterte Testoptionen aktivieren

Während des Tests können Sie mit F1 die Optionen ändern.

Sie haben folgende Möglichkeiten:

EinstellungBedeutung
BasistestSchnelle Überprüfung
StandardtestEmpfohlen für die meisten Fälle
Erweiterter TestSehr gründlich, dauert deutlich länger

Zusätzlich können Sie den Cache deaktivieren und die Anzahl der Durchläufe erhöhen, um schwer erkennbare Fehler zu finden.

Dauer des RAM-Tests

Die Testdauer hängt ab von:

  • RAM-Größe
  • Geschwindigkeit des Systems
  • gewählter Teststufe

Richtwerte:

RAM-GrößeDauer StandardtestDauer Erweiterter Test
8 GB10–15 Minuten30–60 Minuten
16 GB15–25 Minuten1–2 Stunden
32 GB+30 Minuten+mehrere Stunden

Unterbrechen Sie den Test nicht, da sonst keine zuverlässigen Ergebnisse vorliegen.

Ergebnisse der Speicherdiagnose auslesen

Nach dem Neustart meldet Windows die Ergebnisse oft nur kurz. Falls Sie die Meldung verpasst haben, gehen Sie so vor:

Ereignisanzeige nutzen

  1. Rechtsklick auf Start
  2. Ereignisanzeige öffnen
  3. Navigieren zu:
    Windows-Protokolle → System
  4. Rechts auf Aktuelles Protokoll filtern
  5. Nach Quelle MemoryDiagnostics-Results suchen

Dort sehen Sie, ob Fehler gefunden wurden.

Was tun bei gefundenen RAM-Fehlern?

Wurden Probleme gemeldet, gehen Sie systematisch vor.

PC ausschalten und Netzteil trennen

Sicherheit geht vor – entfernen Sie die Stromversorgung.

RAM-Riegel einzeln testen

Bauen Sie jeweils nur einen Speicherbaustein ein und wiederholen Sie den Test. So erkennen Sie den defekten Riegel.

Steckplätze prüfen

Ein defekter RAM-Slot kann ebenfalls Fehler verursachen.

Kontakte reinigen

Staub oder Oxidation können Kontaktprobleme auslösen. Reinigen Sie vorsichtig mit Druckluft.

BIOS/UEFI auf Standard zurücksetzen

Übertakteter RAM verursacht häufig Instabilität. Laden Sie die Default-Einstellungen.

Alternativer Test mit externer Software

Wenn die Windows-Diagnose keine klaren Ergebnisse liefert, kann ein unabhängiger Speichertest helfen.

Bootfähiger RAM-Test

Spezielle Programme werden von einem USB-Stick gestartet und prüfen den Speicher außerhalb von Windows. Diese Tests sind besonders gründlich und entdecken Fehler, die das integrierte Tool übersieht.

Vorteile:

  • Unabhängig vom Betriebssystem
  • Sehr genaue Fehlererkennung
  • Ideal bei hartnäckigen Abstürzen

Nachteil: Einrichtung erfordert etwas mehr Aufwand.

RAM über die Eingabeaufforderung prüfen

Ein direkter RAM-Test ist per Kommandozeile nicht möglich, aber Sie können Systemdateien überprüfen, die durch fehlerhaften Speicher beschädigt wurden.

Systemdateien prüfen

Öffnen Sie die Eingabeaufforderung als Administrator und geben Sie ein:

sfc /scannow

Anschließend:

DISM /Online /Cleanup-Image /RestoreHealth

Diese Befehle reparieren beschädigte Windows-Dateien.

Arbeitsspeicher mit PowerShell überwachen

Für eine Analyse der Speicherauslastung im Alltag eignet sich PowerShell.

Get-CimInstance Win32_OperatingSystem | Select-Object TotalVisibleMemorySize,FreePhysicalMemory

So sehen Sie freien und belegten RAM in Kilobyte.

RAM-Kompatibilität prüfen

Nicht jeder Speicher passt zu jedem Mainboard. Probleme entstehen durch:

  • falsche Taktfrequenz
  • inkompatible Spannungen
  • Mischung unterschiedlicher Module

Im Handbuch Ihres Mainboards finden Sie eine Liste unterstützter Speichermodule.

XMP-Profile als Fehlerquelle

Viele Systeme nutzen automatische RAM-Übertaktung über XMP. Instabile Profile führen zu Abstürzen.

Lösung:
Im BIOS XMP deaktivieren und erneut testen.

Wann Sie den Arbeitsspeicher ersetzen sollten

Ein Austausch ist sinnvoll, wenn:

  • Fehler wiederholt auftreten
  • mehrere Tests Probleme melden
  • Bluescreens mit Speicherbezug erscheinen
  • der PC nur mit einzelnen Riegeln stabil läuft

RAM ist vergleichsweise günstig – Datensicherheit und Stabilität sind wichtiger.

Unterschiede zwischen Windows 10 und Windows 11

Die Speicherdiagnose funktioniert nahezu identisch. Unterschiede bestehen nur in der Menüführung:

FunktionWindows 10Windows 11
Task-ManagerKlassisches LayoutModernisierte Ansicht
EinstellungenSystem → InfoSystem → Info
Speicherdiagnoseidentischidentisch

Die Testmethoden bleiben gleich.

Häufige Fehler beim RAM-Test

Test wird zu früh abgebrochen

Viele Fehler treten erst im zweiten oder dritten Durchlauf auf.

Nur ein Testlauf

Ein einzelner Test ist nicht aussagekräftig.

Übertaktung bleibt aktiv

RAM-Profile verfälschen Ergebnisse.

Steckplätze werden nicht geprüft

Nicht immer ist der Speicher selbst defekt.

RAM-Probleme oder doch Softwarefehler?

Manchmal liegt die Ursache nicht im Arbeitsspeicher, sondern bei:

  • fehlerhaften Treibern
  • beschädigten Systemdateien
  • Malware
  • veralteten BIOS-Versionen

Deshalb sollten Sie neben dem RAM-Test auch Windows-Updates und Treiber prüfen.

Temperatur als Einflussfaktor

Überhitzter RAM kann Fehler produzieren. Ursachen:

  • schlechter Luftstrom im Gehäuse
  • Staubablagerungen
  • defekte Gehäuselüfter

Reinigen Sie regelmäßig das Innere des PCs.

Laptop-Arbeitsspeicher prüfen

Bei Notebooks ist der Ablauf identisch, aber der Ausbau ist schwieriger. Manche Geräte haben verlöteten RAM – hier ist kein Austausch möglich. Prüfen Sie vorher die technischen Daten Ihres Modells.

Server- und ECC-Speicher

Server nutzen oft ECC-RAM, der Fehler selbst korrigiert. Trotzdem können auch hier Defekte auftreten. In diesem Fall melden Systemprotokolle Speicherfehler.

Vorbeugung gegen RAM-Probleme

  • Keine extreme Übertaktung
  • Hochwertige Netzteile verwenden
  • Gute Kühlung sicherstellen
  • Staub regelmäßig entfernen
  • BIOS aktuell halten

Zusammenfassung

Ein fehlerhafter Arbeitsspeicher kann die unterschiedlichsten Probleme verursachen – von Abstürzen bis Datenverlust. Mit der integrierten Windows-Speicherdiagnose lässt sich der RAM zuverlässig testen.

Ergänzende Prüfungen über Ereignisanzeige, Systembefehle und Hardwarekontrollen helfen, die Ursache eindeutig zu identifizieren. Werden Fehler festgestellt, ist ein Austausch meist die sicherste Lösung, um wieder ein stabiles und zuverlässiges System zu erhalten.