Erfahren Sie, wie Sie unter Windows 11/10 einen Bluescreen Schritt für Schritt beheben – mit klarer Anleitung, Ursachencheck und schnellen Lösungen.

Ein Bluescreen unter Windows 11 oder Windows 10 tritt oft plötzlich auf und verhindert das normale Starten oder Arbeiten. Mit einem systematischen Vorgehen lassen sich Ursachen wie Treiberfehler, defekte Updates, beschädigte Systemdateien oder Hardwareprobleme meist schnell eingrenzen.
Diese Anleitung führt Sie Schritt für Schritt von der Fehleranalyse über Sofortmaßnahmen bis zu fortgeschrittenen Reparaturen – inklusive Tipps für häufige Stopcodes und stabilem Betrieb danach.
Was ist ein Bluescreen und warum passiert er?
Ein Bluescreen (BSOD, „Blue Screen of Death“) ist ein Schutzmechanismus von Windows. Wenn ein kritischer Fehler im Kernel, bei Treibern oder bei zentralen Systemkomponenten auftritt, stoppt Windows den Betrieb, um Datenverlust und Folgeschäden zu vermeiden. Dabei werden ein Stopcode und manchmal ein Treibername angezeigt. Häufige Auslöser sind:
- fehlerhafte oder inkompatible Treiber
- Windows-Updates, die nicht sauber installiert wurden
- beschädigte Systemdateien oder Dateisystemfehler
- Überhitzung, instabile Stromversorgung oder RAM-Probleme
- defekte SSD/HDD oder fehlerhafte Sektoren
- BIOS/UEFI-Einstellungen, die nicht zur Hardware passen (z. B. XMP/Overclocking)
- Konflikte durch Sicherheitssoftware, Tuning-Tools oder virtuelle Treiber
Wichtig: Ein einzelner Bluescreen kann ein Ausrutscher sein. Wiederkehrende Bluescreens deuten fast immer auf eine konkrete Ursache hin.
Schritt 1: Stopcode und Muster erfassen
Stopcode notieren und Zeitpunkt prüfen
Wenn Windows den Stopcode zeigt, notieren Sie ihn exakt (z. B. IRQL_NOT_LESS_OR_EQUAL, KERNEL_SECURITY_CHECK_FAILURE, MEMORY_MANAGEMENT). Auch ein angezeigter Dateiname (z. B. nvlddmkm.sys) ist wichtig.
Wenn der Bluescreen zu schnell verschwindet:
- Öffnen Sie nach dem Neustart Ereignisanzeige → Windows-Protokolle → System und suchen Sie nach BugCheck oder Kernel-Power.
- Oder nutzen Sie Zuverlässigkeitsverlauf: Startmenü → „Zuverlässigkeit“ → Zuverlässigkeitsverlauf anzeigen.
Tritt der Bluescreen in bestimmten Situationen auf?
Klären Sie diese Fragen:
- Passiert es beim Start, beim Gaming, beim Standby, beim Kopieren großer Dateien oder im Leerlauf?
- Kam kurz vorher ein Update, ein neuer Treiber, neue Hardware, ein neues Programm?
- Tritt der Fehler nach dem Aufwachen aus dem Energiesparmodus auf?
Das Muster entscheidet, ob Sie zuerst Software (Treiber/Updates/Systemdateien) oder Hardware (RAM/SSD/Temperatur) prüfen.
Schritt 2: Sofortmaßnahmen, die häufig sofort helfen
Alle externen Geräte trennen
Trennen Sie alles, was nicht zum Start nötig ist:
- USB-Sticks, externe Festplatten, Dockingstation, Drucker, Webcam, Gamepad
- zusätzliche Monitore/Adapter, wenn verdächtig
Starten Sie neu. Wenn der Bluescreen verschwindet, ist ein Gerät oder dessen Treiber der Auslöser.
Kürzlich installierte Software deinstallieren
Wenn der Fehler nach einer Installation begann:
- Deinstallieren Sie Tuning-Tools, „Driver Updater“, RGB-Tools, Overlays, alte Antivirus-Suiten, VPN-Clients (Testweise).
- Starten Sie neu und beobachten Sie.
Schnellstart deaktivieren
Der Windows-Schnellstart kann Treiberzustände ungünstig konservieren:
- Systemsteuerung → Energieoptionen → „Auswählen, was beim Drücken von Netzschaltern geschehen soll“
- „Einstellungen, die derzeit nicht verfügbar sind“ → Schnellstart aktivieren abwählen
- Neustart
Schritt 3: In den abgesicherten Modus gelangen
Wenn Windows normal nicht stabil startet, ist der abgesicherte Modus der beste Einstieg.
Abgesicherter Modus über automatische Reparatur
Wenn der PC mehrfach beim Start abstürzt:
- Gerät einschalten → sobald Windows-Logo erscheint, hart ausschalten (Power-Taste gedrückt)
- Das 2–3× wiederholen → Windows öffnet „Automatische Reparatur“
- Erweiterte Optionen → Problembehandlung → Erweiterte Optionen → Starteinstellungen → Neu starten
- Taste 4 (abgesicherter Modus) oder 5 (mit Netzwerk)
Abgesicherter Modus bei laufendem Windows
Wenn Windows noch startet:
- Einstellungen → System → Wiederherstellung → Erweiterter Start → Jetzt neu starten
- Danach wie oben.
Im abgesicherten Modus laufen nur grundlegende Treiber. Wenn dort kein Bluescreen auftritt, ist ein regulärer Treiber oder Dienst sehr wahrscheinlich der Auslöser.
Schritt 4: Treiberprobleme gezielt beheben
Treiber gehören zu den häufigsten Ursachen. Gehen Sie systematisch vor.
Grafiktreiber sauber neu installieren
Bei Abstürzen unter Last (Spiele, Video, 3D):
- Deinstallieren Sie den Grafiktreiber über „Apps“ oder den Geräte-Manager.
- Installieren Sie anschließend den aktuellen Treiber des Herstellers (NVIDIA/AMD/Intel) neu.
- Wenn der Fehler nach einem Update begann: Rollback testen (Geräte-Manager → Grafikkarte → Treiber → „Vorheriger Treiber“).
Tipp: Eine „saubere Installation“ ohne Zusatzmodule (Overlays, Recording, Telemetrie) reduziert Konflikte.
Chipsatz-, Netzwerk- und Storage-Treiber aktualisieren
Bei Bluescreens beim Start, beim Kopieren oder Standby:
- Aktualisieren Sie Chipsatztreiber und LAN/WLAN-Treiber.
- Prüfen Sie Storage-Treiber (NVMe/SATA/RAID). Speziell Controller-Treiber können Bugchecks auslösen.
Problematische Treiber identifizieren
Wenn im Bluescreen eine .sys-Datei genannt wird:
- Suchen Sie im Geräte-Manager nach dem passenden Gerät
- Aktualisieren, deaktivieren oder deinstallieren Sie es testweise
Wenn kein Name angezeigt wird: Später helfen Minidumps (siehe Schritt 8).
Schritt 5: Windows-Updates prüfen und reparieren
Updates sind wichtig, können aber in Einzelfällen Bluescreens verursachen – besonders nach Treiber- oder Feature-Updates.
Letzte Updates deinstallieren
Wenn der Bluescreen kurz nach einem Update begann:
- Einstellungen → Windows Update → Updateverlauf → Updates deinstallieren
- Beginnen Sie mit dem neuesten Qualitäts- oder Treiberupdate
- Neustart
Windows Update-Komponenten zurücksetzen (ohne Tools)
Wenn Updates hängen oder wiederholt fehlschlagen:
- Neustart ausführen
- Speicherplatz prüfen (mindestens 20 GB frei)
- Danach Systemdateien prüfen (Schritt 6)
Bei wiederholtem Absturz nach Feature-Updates: Ein Inplace-Upgrade (Schritt 9) ist oft stabiler als mehrere Reparaturversuche.
Schritt 6: Systemdateien und Datenträger reparieren
Beschädigte Systemdateien und Dateisystemfehler sind klassische BSOD-Treiber. Arbeiten Sie diese Reihenfolge ab.
SFC ausführen
Öffnen Sie die Eingabeaufforderung als Administrator:
- Startmenü → „cmd“ → Rechtsklick → Als Administrator ausführen
Dann: sfc /scannow
SFC repariert viele Systemdateien automatisch.
DISM verwenden
Wenn SFC Fehler nicht beheben kann:
DISM /Online /Cleanup-Image /RestoreHealth
Danach erneut:
sfc /scannow
Datenträger prüfen (CHKDSK)
Bei Bluescreens mit Hinweisen auf I/O, Dateisystem oder bei plötzlichen Freezes:
chkdsk C: /f /r
Windows plant die Prüfung ggf. beim nächsten Neustart ein. Bei SSDs ist /r nicht immer nötig, kann aber bei Verdacht helfen.
Schritt 7: Hardware prüfen – ohne Rateorgie
Wenn Bluescreens unter Last oder zufällig auftreten, ist Hardware mindestens genauso wahrscheinlich wie Software.
RAM testen (sehr häufige Ursache)
Symptome: MEMORY_MANAGEMENT, IRQL_NOT_LESS_OR_EQUAL, zufällige Stopcodes, Abstürze beim Installieren.
- Windows-Speicherdiagnose: Startmenü → „Speicherdiagnose“ → Neustart und prüfen
Besser: Ein längerer Testlauf mit einem dedizierten RAM-Test (falls verfügbar).
Wenn Sie mehrere RAM-Riegel haben:
- Testen Sie einzeln, Steckplätze wechseln, Kontakte prüfen
SSD/HDD-Gesundheit prüfen
Symptome: CRITICAL_PROCESS_DIED, UNEXPECTED_STORE_EXCEPTION, Hänger beim Boot, Dateikorruption.
- Prüfen Sie freien Speicherplatz
- Achten Sie auf ungewöhnliche Geräusche (HDD)
- Bei NVMe/SSD: Firmware-Update kann Stabilität verbessern
Temperaturen und Stromversorgung
Symptome: Bluescreens bei Spielen oder Rendering, plötzliche Neustarts, WHEA_UNCORRECTABLE_ERROR.
- Lüfter, Kühlkörper, Staub entfernen
- CPU/GPU-Temperaturen beobachten
- Netzteil bei instabiler Spannung prüfen (besonders bei älteren Geräten)
Overclocking und XMP deaktivieren
Selbst „leichtes“ OC kann BSODs verursachen, besonders nach Updates.
- BIOS/UEFI: Standardwerte laden
- XMP/EXPO testweise deaktivieren
- Danach Stabilität prüfen
Schritt 8: Minidumps auswerten (wenn der Fehler hartnäckig ist)
Wenn Sie trotz der Schritte keinen klaren Auslöser finden, liefern Minidumps die beste Spur.
Prüfen, ob Minidumps erstellt werden
- Systemeigenschaften → Erweitert → Starten und Wiederherstellen → „Debuginformationen speichern“
- Aktivieren Sie „Kleines Speicherabbild (256 KB)“
- Pfad:
C:\Windows\Minidump
Was Sie aus Minidumps ableiten können
Sie suchen nach:
- dem „verursachenden“ Treiber (
.sys) - wiederkehrenden Modulen (z. B. Audio, WLAN, Storage, Anti-Cheat, Virtualisierung)
- Fehlerklassen wie Speicherzugriff, I/O, WHEA-Hardwarefehler
Wenn immer derselbe Treiber auftaucht, ist die Maßnahme klar: Treiber ersetzen, Gerät deaktivieren, Software entfernen oder auf eine stabile Version zurückgehen.
Schritt 9: Systemwiederherstellung, Startreparatur, Inplace-Upgrade
Wenn Windows startet, aber instabil bleibt, sind diese Reparaturen oft der schnellste Weg zur Stabilität.
Systemwiederherstellung
Wenn Wiederherstellungspunkte vorhanden sind:
- Einstellungen → System → Wiederherstellung → Erweiterter Start
- Problembehandlung → Erweiterte Optionen → Systemwiederherstellung
Damit setzen Sie Systemdateien und Treiberstände zurück, ohne persönliche Dateien zu löschen.
Startreparatur
Wenn Windows gar nicht mehr bootet:
- Erweiterter Start → Problembehandlung → Erweiterte Optionen → Starthilfe
Inplace-Upgrade (Reparaturinstallation)
Wenn Systemdateien stark beschädigt sind oder Update-Schleifen auftreten:
- Eine Reparaturinstallation über Windows-Setup kann Windows-Komponenten ersetzen, ohne Daten zu löschen.
- Danach Treiber neu prüfen und Windows Update kontrolliert ausführen.
Schritt 10: Häufige Stopcodes und was sie typischerweise bedeuten
IRQL_NOT_LESS_OR_EQUAL
Meist Treiber oder RAM:
- Treiber aktualisieren/rollback
- RAM testen, XMP deaktivieren
KERNEL_SECURITY_CHECK_FAILURE
Oft Treiberkonflikt oder beschädigte Systemdateien:
- SFC/DISM
- kürzlich installierte Treiber/Software entfernen
MEMORY_MANAGEMENT
Sehr oft RAM oder Speichercontroller:
- RAM intensiv testen
- BIOS-Defaults, XMP aus
CRITICAL_PROCESS_DIED
Systemdateien, Datenträger, Malware oder Treiber:
- SFC/DISM/CHKDSK
- Storage-Treiber und SSD/HDD prüfen
WHEA_UNCORRECTABLE_ERROR
Hardware-nah (CPU, RAM, Mainboard, PCIe, Netzteil, thermische Probleme):
- Temperaturen, BIOS-Defaults, Stromversorgung
- Hardwaretests, Minimalkonfiguration
DPC_WATCHDOG_VIOLATION
Häufig Storage- oder Treiber-Latenz:
- NVMe/SATA-Treiber, Firmware
- Geräte mit hohem DPC (Audio/WLAN) aktualisieren
Diese Zuordnungen sind kein Urteil, aber eine starke Priorisierung, womit Sie beginnen sollten.
Schritt 11: Stabilität nach der Reparatur sichern
Wenn der Bluescreen weg ist, verhindern Sie Rückfälle mit einem sauberen Setup.
Treiber-Strategie
- Nutzen Sie stabile Treiberversionen statt „immer die neueste Beta“
- Aktualisieren Sie Chipsatz und BIOS/UEFI nur, wenn es Problembehebungen oder relevante Verbesserungen gibt
- Installieren Sie Treiber bevorzugt vom Gerätehersteller oder Chip-Hersteller
Autostart und Hintergrunddienste aufräumen
- Task-Manager → Autostart: unnötige Tools deaktivieren
- RGB-Software, Overlays, virtuelle Audio-Treiber reduzieren
Speicher und Systempflege
- Genug freien SSD-Speicher lassen
- Regelmäßig Neustart statt Dauer-Standby, wenn Standby-Fehler bekannt sind
- Wiederherstellungspunkte aktiv lassen
Bluescreen-Neustartoption sinnvoll setzen
Damit Sie Stopcodes lesen können:
- Systemeigenschaften → Starten und Wiederherstellen → Haken bei „Automatisch Neustart durchführen“ entfernen
Schritt 12: Wenn Windows gar nicht mehr startet – Notfallplan
Wenn Sie in einer Boot-Schleife festhängen:
- Erweiterte Optionen (Automatische Reparatur erzwingen)
- Abgesicherter Modus starten
- Letzte Treiber/Updates entfernen
- SFC/DISM (im abgesicherten Modus)
- Systemwiederherstellung
- Starthilfe
- Inplace-Upgrade oder Neuinstallation (letzter Schritt)
Bei Neuinstallation: Sichern Sie vorher Daten über ein Live-System oder über die Eingabeaufforderung im Reparaturmodus, sofern möglich.
Häufige Fehlerquellen, die oft übersehen werden
- Antivirus-Suiten von Drittanbietern: Kernel-Treiber können instabil sein. Testweise entfernen.
- „Driver Booster“-Programme: Falsche Treiberstände verursachen BSODs.
- Virtualisierung und Emulatoren: Hypervisor, VM-Netzwerktreiber, Emulator-Treiber.
- USB-Hubs und Docks: Besonders bei Laptops, wenn Energieverwaltung Probleme macht.
- Defekte oder zu aggressive Energiesparpläne: Standby, Schnellstart, USB-Selektivsparen.
- RAM-Mischbestückung: Unterschiedliche Kits können mit XMP instabil werden.
Fazit
Ein Bluescreen unter Windows 11 oder Windows 10 wirkt dramatisch, ist aber in den meisten Fällen mit einem klaren Vorgehen lösbar. Notieren Sie Stopcodes, starten Sie in den abgesicherten Modus, bereinigen Sie Treiber und Updates und reparieren Sie Systemdateien mit SFC, DISM und CHKDSK.
Bleibt der Fehler, liefern RAM- und Datenträgerprüfungen sowie Minidumps die entscheidenden Hinweise. Mit stabilen Treibern, sauberen Autostarts und konservativen BIOS-Einstellungen sorgen Sie anschließend dafür, dass Bluescreens dauerhaft ausbleiben.
